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Die militante Naziszene

Die sog. Freien Nationalisten haben für den 1.Mai 2009 eine Demonstration angemeldet - beginnend um 12:00 Uhr am ZOB mit einer Route über Steintor, Klagesmarkt nach Linden. Angemeldet sind bis zu 1.000 Teilnehmer, in Anbetracht bisheriger Erfahrungen nicht unrealistisch.

Es handelt sich um eine Mobilisierung insbesondere im Spektrum der Szene der sog. Freien Kameradschaften oder "nationalen Sozialisten" mit Unterstützung durch einige Kreisverbände der NPD (bisher).

Mobilisiert wird wie jedes Jahr in ganz Norddeutschland, die Mobilisierung wird ebenso wie das Anmeldeverfahren ziemlich professionell durchgeführt. Bereits jetzt findet eine Vorbereitung im Internet statt (arbeiterkampftag.info).

"Freie Kameradschaften"

Das Spektrum der Freien Kameradschaften stellt den zurzeit dynamischsten Zusammenhang deutscher Neonazis dar. Das dort praktizierte Modell geht von eigenständigen, nicht parteigebundenen Gruppen aus, die ihre Aktivitäten in einem Netzwerk und unter dem Dach überregionaler Kameradschaftsverbände und Aktionsbüros bündeln.

Der Begriff Kameradschaft dient organisatorisch als Kennzeichnung meist regional aktiver Basisgruppen. Als identitätsstiftende Sammelbegriffe dienen auch Freie Nationalisten und Nationaler Widerstand .

Die regional aktiven Kameradschaften verfügen über keine durchgehend verwendeten Symbole. Schriftzüge auf Kameradschafts-T-Shirts , bestehend aus dem Wort Kameradschaft und dem Herkunftsort, sind häufig in Frakturschrift gehalten. Diese werden manchmal ergänzt durch die Darstellung einer schwarzen Fahne.

In diesem wie in vielen anderen Fällen werden massiv Stil und Symbolik von linken Gruppierungen übernommen und abgewandelt. Autonome Nationalisten treten beispielsweise mit dem verfälschten Symbol der Antifaschistischen Aktion auf. Häufig werden auch in den Namenskürzeln deutliche Bezüge zum NS hergestellt, so z.B. beim Selbstschutz Sachsen-Anhalt (SS-SA), bei den verbotenen Skinheads Sächsische Schweiz (SSS) oder beim Nibelungensturm (NS) aus Südhessen. Der Schriftzug »Frei - Sozial - National« ist eindeutig dem Kameradschaftsspektrum zuzuordnen.

In Südwestdeutschland ist seit einiger Zeit ein Boom in der Gründung von Kameradschaften festzustellen, ein Hinweis auf das steigende Bedürfnis rechter Cliquen und überregionaler Freundeskreise nach einer explizit politischen Identität. (www.dasversteckspiel.de)

Die Szene ist durch Aktionsorientierung und eine hohe Gewaltbereitschaft gekennzeichnet. Es gibt sowohl Täter als auch Tätergruppen in diesen Kameradschaften, die spontan und alkoholisiert Straftaten begehen (beispielsweise Anschläge auf Döner-Buden, Gedenkstätten oder Friedhöfe) als auch organisierte Tätergemeinschaften, die bewusst planen und eiskalt kalkulieren. Es geht um Übergriffe auf nicht rechts aussehende Jugendliche und Hetzjagden auf Migrantinnen und Migranten.

Interview mit dem Publizisten Andreas Speit zu den Kameradschaften in der Süddeutschen Zeitung am 25.05.2009: http://www.sueddeutsche.de/politik/163/442902/text/

Autonome Nationalisten

 "Autonome Nationalisten" ist ein von jungen, aktionistischen Neonazis erfundener, identitätsstiftender Sammelbegriff, unter dem sie sich lokal organisieren und Propaganda in Form von Aufklebern, Plakaten und Webseiten verbreiten oder Gewalttaten gegen vermeintliche politische Gegner und Polizisten verüben.

Auch auf rechtsextremen Demonstrationen treten sie als Gruppen mit eigenen Transparenten unter diesem Label in Erscheinung. Zudem ist ein äußerst aggressives und gewalttätiges Auftreten gegenüber vermeintlichen politischen Gegnern und der Polizei charakteristisch. Der Verfassungsschutz geht bisher bundesweit von etwa 200 Personen in dieser Szene aus. Beobachter schätzen, dass die Zahl mindestens doppelt so hoch ist. Die "Autonomen Nationalisten" sind personell größtenteils identisch mit dem "Kameradschafts"-Spektrum.

Die "Autonomen Nationalisten" versuchen, sich antikapitalistisch, modern und militant zu geben, um damit erlebnisorientierte Jugendliche für "ihre Sache" zu gewinnen. Sie vertreten eine extrem anti-demokratische, verfassungsfeindliche und rassistische Haltung. Laut Verfassungsschutz propagieren sie "eine strikt antiparlamentarische Politik und radikale Kampfformen". Als "Hauptangriffsziel" gelten die Polizei und der politische Gegner.

Das auffällige an den "Autonomen Nationalisten" ist, dass sie sich in Kleidung und Auftreten an militanten linken Autonomen orientieren. Das heißt sie tragen schwarze, sportliche Kleidung, meist von Thor Steinar, Palästinensertücher (als Zeichen für ihre antisemitische Ideologie) und in der linksalternativen Szene beliebte Buttons und Anstecker. Auf Kundgebungen spielen sie über die Lautsprecherwagen zum Teil auch "Musik des politischen Gegners": Zum Beispiel die linken Bands "Ton, Steine, Scherben" oder "Die Ärzte". Bei Nazi-Aufmärschen versuchen sie den "schwarzen Block" der linken Autonomen nachzuahmen. Dabei übernehmen sie oft für ihre Transparente Motive aus der linken Szene und fügen lediglich eine rechtsextreme Parole hinzu.

Am 1.Mai 2008 kam es aus einem Neonazi-Aufmarsch in Hamburg der von "Autonomen Nationalisten" zu massiven Angriffen auf Journalisten, Gegendemonstranten und Polizisten. Mehrere Foto-Journalisten wurden verletzt und ihre Kameras geraubt.